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Fortsetzung: Wie ich katholisch geworden bin


Der erste Teil ist hier:  Wie ich katholisch geworden bin
Ich war mit unserem dritten Kind schwanger, als ich mich entschied, in die katholische Kirche einzutreten. Ich weiss noch genau den Moment, in dem ich diesen Entscheid traf. Es gab kein sensationelles Gefühl, das mich dazu antrieb. Auch überredete oder drängte mich niemand dazu – das hätte bei mir wohl eher Widerstand ausgelöst. Es gab auch kein äusseres Ereignis, das meinen Entschluss auslöste.

Ich bin damals auf dem Weg zum Einkaufen aus dem Zug ausgestiegen. Ich befand mich auf dem Perron, und machte mich auf, Richtung Laden. In diesem Moment hatte ich eine deutliche Eingabe, bei der ich mir sagte: „Ich könnte ja katholisch werden“. Damit war die Sache schon beschlossen.

Es war nicht so, dass ich frei von allen Skrupeln war oder alle Fragen schon beantwortet hatte. Aber ich war entschlossen. Ich wollte katholisch werden, und dieser Entscheid erfüllte mich mit Freude.
Kurz vor der Geburt begann ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Rosenkranz zu beten. Ich fühlte mich besonders mit der Stelle verbunden, an der es heisst, „… Jesus, den du geboren hast“. Nach diesem ersten Rosenkranz gebar ich unsere dritte Tochter. Es war eine leichte und rasche Geburt.

Am Anfang dachte ich, dass ich mich, um zu konvertieren, einfach in die katholische Kirche „einschreiben“ könne. Aber dann hiess es, ich müsse mich erst von der reformierten Kirche abmelden. Gesagt, getan.

Dass ich für die Aufnahme in die römisch-katholische Kirche eine Firmung brauchte, erfuhr ich erst ein Jahr später von unserem damaligen Diakon (der später zum Priester geweiht wurde und jetzt Pate unserer Kinder ist).

Einmal war es mir langweilig, und ich bat Jan, mir etwas zum Lesen zu geben. Darauf nahm er spontan ein Büchlein von unserem Bücherregal. Das Buch handelte über den Schutzengel. Danach hatte ich Hunger nach mehr … und er reichte mir eine kleine farbige Zeitschrift über Medjugorje, von der Gebetsaktion Wien.

Es war die Nummer 63. Als ich sie zu lesen begann, sog ich alles gierig auf, und wollte mehr über Medjugorje erfahren. Ich hatte ja schon Jahre davor von Medjugorje gehört, aber mich nie eingehend damit befasst. Höchstens hatte ich mir die Frage gestellt: Sind die Erscheinungen wahr, handelt es sich um eine Täuschung oder gar eine teuflische Versuchung? Ich erinnere mich, dass ich früher einmal eine Kassettenaufnahme mit Pater Slavko aus Medjugorje hörte, der einen Vortrag auf Deutsch hielt. Damals glaubte ich ihm, denn die Art, wie er von den Sehern und den Erscheinungen sprach, klang sehr authentisch. Aber erst jetzt, da ich diese Zeitschrift in den Händen hielt, begann eine Flamme in mir zu brennen und ich wollte alles über Medjugorje wissen. Ich las Zeitschriften, Bücher und Artikel zum Thema. Eine wichtige Frage blieb bis zuletzt: Kam Maria wegen sich selbst oder wegen Gott?

Ich studierte das Phänomen so lange, bis auch die letzten Zweifel verflogen waren. In den Botschaften Marias wurde mir allmählich deutlich, dass Maria nicht wegen der eigenen Ehre erschien, sondern um uns näher zu Gott zu bringen. So gesehen ist die Marienverehrung und auch jede Heiligenverehrung richtig. Ich las von so vielen Zeugnissen, Bekehrungen und Wundern aus aller Welt, dass ich am Ende überzeugt war, dass die Erscheinungen echt sein mussten. Zudem verstand ich die katholische Kirche mehr denn je. Wichtiger noch: ich begann die Kirche nicht nur zu verstehen, sondern zu lieben.

Dadurch wuchs mein Vertrauen zur katholischen Kirche. Weil ich nun glaubte, dass es sich um die Muttergottes handelte, die direkt vom Himmel kommt, stellte ich ihre Stimme nicht unter Frage. Wenn sie den Papst, die Lehre der Kirche, die heilige Messe als gut und richtig anerkennt, dann muss es so sein! Wer war ich denn schon, die das unter Frage stellen konnte? Niemand konnte es besser wissen, als der Himmel! Und weil diese Stimme vom Himmel die katholische Kirche in allem unterstützte, was sie lehrt, wollte ich ihr Folge leisten.

Bald hatte ich einen starken Wunsch, Medjugorje, das in Bosnien-Herzegowina liegt, zu besuchen. Reiselustig, wie wir schon immer waren, dauerte es auch nicht lange, bis dieser Wunsch in Erfüllung ging.

Unser jüngstes Kind war kaum drei Wochen alt, als wir uns in den Sommerferien, 2003, in einen Car setzten und uns auf eine Reise nach Südosteuropa begaben.

Wir kamen an, als dort das Jugendfest Mitten im Gange war. Am Abend gab es eine Prozession, an der Tausende (meist) junge Menschen teilnahmen. Sie hielten Kerzen in der Hand, sangen und beteten. Die Musik füllte das ganze Dorf, und auch das Radio im Gasthaus, wo wir weilten, übertrug die Prozession live. Die Sonne ging dem Horizont entgegen und der Himmel war in warmer orange-roter Farbe getaucht. Der ganze Ort war von einem seligen Frieden erfüllt. Ich fühlte mich wie im Paradies.

Abgesehen von diesem prägenden Erlebnis, lernte ich die katholischen Praktiken allmählich besser kennen. Ich las über die Beichte, die Eucharistie, die heilige Messe, über Heilige, von Zeugnissen und Bekehrungen und lernte den Rosenkranz regelmässig zu beten.

Auf meine Firmung bereitete ich mich vor indem ich das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Version hier) und ein Firmbuch las sowie die Pfingstsequenz – ein Gebet zum Heiligen Geist – regelmässig sprach. Die Vorbereitung fand unter der Verantwortung unseres Diakons statt.

Die Firmung spendete mir der damalige Generalvikar Vitus Huonder, der jetzt Bischof von Chur ist. Die kleine Feier fand mit anderen erwachsenen Firmlingen im Bischofspalast in Chur statt und in Anwesenheit meiner Familie – unsere dritte Tochter war dann schon einige Monate alt. Während des Aktes der Firmung spürte ich eine Kraft auf mich herabkommen. Ich stellte mir vor, dass der Heilige Geist wirklich spürbar gekommen war.

Kurz vor der Firmung hatte ich erfahren, dass mein Name, Bernice, von Veronika (Berenike) stammt. Bei der Firmung fragte Vitus Huonder wer meine Patronin sei, und ich konnte ihm das so vermitteln, und so bat er um die Fürsprache der heiligen Veronika.

Nebst der Bibel diente mir der Katholische Katechismus (Online-Version hier) als Orientierung auf meinem Weg zum katholischen Glauben (ich nähre mich auch heute noch geistig davon). Einiges von dem was ich darin las, empfand ich als eine Bestätigung dessen, woran ich von selbst schon geglaubt hatte. Ich bin überzeugt, dass es sich bei den Gottesgesetzen, die wir in der Bibel und im Katechismus finden, um die Gleichen handelt, die jedem Menschen tief im Herzen eingepflanzt sind.

In der heutigen Zeit wird die katholische Kirche massiv attackiert – von aussen und von innen. Aber sie wird nie untergehen. Jesus selbst sagte: „… und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen …“ (Mt 16,18). Viele Leute stossen sich an der Lehre der Kirche. Der Grund liegt darin, dass sie sich nie eingehend damit befasst haben. Hinzu kommt, dass die weltlichen Nachrichten nur an negativen Meldungen über die Kirche interessiert sind, und die hoffnungsvolle, frohe Botschaft sowie alles Gute, was die Kirche bewirkt hat, ausser Acht lassen.

Der Papst ist der Kopf der Kirche – Stellvertreter an Jesu statt. Der Papst ist unser geistiger Vater. Genauso wie die Familie einen Vater braucht, braucht das gläubige Volk einen Vater, der sie geistig führt und die Einheit bewahrt. Das Papsttum hat seine Berechtigung und wurde von Christus selbst initiiert. Jesus sagte im Evangelium zu Petrus: „Du bist der Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen … Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben …“ (Mat 16,18-19) Natürlich ist der Papst auch nur ein Mensch, wie du und ich, und bedarf des Gebetes. Der Papst selbst ist fehlbar, aber die Entscheide, die er in der Kirche, durch Aufrufung des Heiligen Geistes und nach der Beratung des Bischofskollegiums erfasst, sind unfehlbar.

Immer wieder begegne ich Menschen, die behaupten, dass die Bibel ein veraltetes Buch ist, das man nicht ernst nehmen soll. Sie vergessen dabei, dass die Bibel eine Zusammensetzung vieler Bücher ist. Das Alte Testament unterscheidet sich stark vom Neuen Testament. Im Alten Testament sind sowohl mythologische, wie geschichtliche Erzählungen vorhanden, und es handelt vor allem vom jüdischen Volk Israel. Im Neuen Testament dreht sich alles um Jesus Christus, den menschgewordenen Gott. Wenn auch die Auferstehung eine Sache des Glaubens ist, so war Jesus doch eine historische Figur, die in den römischen und jüdischen Schriften nachgewiesen wird.

Aber das Wichtigste sagte Maria einmal in einer Botschaft: Wenn wir in der Bibel lesen, dann sollen wir uns nicht überlegen, ob dieses oder jenes wirklich stattgefunden hat, sondern was Gott uns dadurch sagen möchte. Wir müssen uns nicht darüber den Kopf zerbrechen oder streiten, ob es wahr ist oder nicht, sondern wir sollten betend erkunden, was es für unser persönliches Leben bedeutet.

Die Lehre der Kirche, der gesamte Katechismus, ist in der Bibel begründet. Wer aufrichtig und mit offenem Herzen die Antworten der katholischen Kirche studiert, wird sie auch verstehen.

Die Lehre der Kirche will das Gute für die Menschen. Sie will ihnen helfen, glücklich zu sein und „… ein Leben in Fülle“ (Joh 10,10) zu haben. Und das kann sie vor allem dann, wenn sie aus ihren eigenen Quellen des Heils schöpft, statt diese zu verdrängen oder zu banalisieren!

In der katholischen Kirche sind die Quellen des Heils, die sieben Sakramente: die Taufe, die Eucharistie (die wahrhaftige Anwesenheit Jesus Christi in der Hostie), die Firmung, die Priesterweihe, die Ehe, die Beichte, die Krankensalbung. Die Kirche bietet uns diese „Werkzeuge“ für ein heiligmässiges Leben an. Vielleicht klingt das zu hoch oder geschwollen aber jeder Christ auf Erden ist gerufen, nach Heiligkeit zu streben! Die Kirche unterrichtet uns dabei. Sie sagt uns z. B. was es braucht, um eine glückliche Ehe zu führen oder bietet die Möglichkeit an, sich im Sakrament der Versöhnung und der Barmherzigkeit (die Beichte) von Schuld zu befreien und neu anzufangen. Das Heil ist oft nur einen kleinen Schritt entfernt …

Die Kirche bietet eine Heimat an für alle, die sich ihr öffnen. Kein Gebilde auf Erden ist so international, wie die katholische Kirche. Katholiken bilden die grösste christliche Gemeinschaft in der Welt. Überall auf der ganzen Welt findest du eine katholische Kirche, die mit dem Papst, dem Stellvertreter Christi, verbunden ist. Überall in der ganzen Welt kannst du die selbe heilige Messe besuchen – das ist Einheit in der Vielfalt.

Die Kirche ist sehr reich an schönen Traditionen und Bräuchen. Dazu gehört z. B. die Verehrung der Heiligen. Die Heiligen sind unsere besten Freunde im Himmel, die darauf warten, Fürsprecher bei Gott für unsere Anliegen zu sein.

Die Kirche ist kein Menschenwerk, sondern ein Werk des Heiligen Geistes. Deshalb müssen wir uns immer wieder sagen: Wenn auch die Menschen innerhalb der Kirche fehlbar sind, bleibt die Kirche immer im Recht, mit dem, was sie lehrt. In der Kirche ist die Quelle des Heils, aber es liegt an uns, diese Quelle zu nutzen.

Sie braucht sich nicht der Welt anzupassen, sondern sie gibt der Welt Orientierung. Sie ist die Stimme des Gewissens, die unsere Welt so dringend braucht.

Zuletzt möchte ich etwas wichtiges hinzufügen, das wir niemals vergessen dürfen. Was ist das wichtigste Gebot, das Gott uns lehrt? Es ist die Liebe! Alles, was wir ohne Liebe tun, ist leer, hat keinen Zweck oder ist gar schädlich. Die Liebe gibt aber allem einen Inhalt und einen Sinn. Gott selbst ist die Liebe.

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Wie ich katholisch geworden bin

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