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Die achte Geburt

Unsere jüngste Tochter ist jetzt auf den Tag genau sechs Wochen alt (oder sechs Wochen plus neun Monate, um präzise zu sein). Heute ist auch der 21. Geburtstag unserer ältesten Tochter. Vor 21 Jahren wurden wir zum ersten Mal Mutter und Vater.

Leute wundern sich: "Acht Kinder? Ist das nicht verrückt? Ist das nicht viel Arbeit? Bist du nicht überfordert?" Aber dann, nach der Geburt heisst es: "Ach, die Süsse, so herzig, so klein, so fein, so lieb." Gratulationen, Lächeln und Freude.

Ja, so ist es immer wenn ein Kind zur Welt kommt. Es entlockt ein Lächeln von Mama und Papa, von den Geschwistern, von Verwandten und Bekannten und von fremden Menschen auf der Strasse. Leute, die man nur vom Sehen kennt, beginnen mit einem zu reden. Das Kind verbindet, und bewirkt, dass Menschen einander kennenlernen. Und nicht selten hören wir: "Ich bin auch mit so vielen Geschwistern aufgewachsen ..." Oder: "Ja, Familie ist alles ..."

Es stimmt zwar, dass Kinder einem nicht nur Freude, sondern auch Arbeit und Sorgen bereiten. Aber bei den Geburten unserer acht Kinder wurde mir jeweils bewusst, dass jedes Kind, ein grosser Segen ist!
Und nein, ich glaube nicht, dass es verrückt ist, acht Kinder in diese Welt zu setzen. In unserer westlichen Zivilisation ist es ja nicht sicher, ob die Gesellschaft weiterbestehen kann, wenn die Geburtsraten so tief bleiben.

Es ist in der heutigen Zeit nicht fragwürdig, eine kinderreiche Familie zu haben. Eher gehört die Frage woanders hin: Warum haben die meisten Familien so wenig Kinder? Aber ich bin nicht stolz und denke nicht, dass ich besser als andere bin.

Ich habe mir immer eine grosse Familie gewünscht – mit gross meinte ich jeweils um die vier bis fünf Kinder. Aber ich habe das nie festgelegt.

Nach der Geburt des ersten und zweiten Kindes merkte ich, dass ein Baby zwar viel Freude aber auch viel Müdigkeit und Opfer bringt und überlegte mir, ob drei vielleicht genügen ... Doch letztendlich blieben wir offen für mehr Kinder. Und sie kamen dann auch in Abständen von zweieinhalb bis viereinhalb Jahren.

Wer bin ich schon zu sagen, dass ich nach einem, zwei oder drei Kindern keine mehr in unsere Ehe willkommen heissen sollte? Ich bin sehr dankbar, dass ich lebe. Warum sollte ich andere verhindern, am Leben teilzuhaben? Gott weiss am besten, was für uns richtig ist ...

Und jedes Mal kann ich bestätigen: ohne das neuste Familienmitglied, wäre unsere Familie um vieles ärmer! Jedes Kind ist eine einmalige Persönlichkeit und trägt zur Vielfalt bei.

Würde ich nicht meinen Kindern schauen, dann würde ich als Kindergärtnerin arbeiten und dabei nicht acht, sondern 20 Kindern schauen müssen. Jeder muss doch irgendetwas arbeiten, jeder hat Herausforderungen ... Meine Herausforderungen sind nun mal bei acht Kindern.

Diese Geburt war besonders leicht (zu leiden hatte ich in den ersten Schwangerschaftsmonaten unter Übelkeit und Energiemangel). Ich fühle mich wirklich begnadet, denn ich bin sicher nicht eine Person, die gut leidet. Ich neige dazu, wehleidig zu sein. Ich ertrage Schmerzen nicht so gut. Ich bin keine tapfere Heldin.

Wie froh war ich, als ich schon eine Stunde und 20 Minuten nach unserer Ankunft im Birth Centre (etwas wie ein Geburtshaus, das aber gleich am Spital angeschlossen ist) unsere jüngste Tochter glücklich in den Armen hielt.

"Ich hab's hinter mir!" Auf diesen Moment hatte ich neun Monate lang gewartet: dieses Gefühl der absoluten Erleichterung begleitet mit tiefer Freude und unendlicher Dankbarkeit, als die Geburt vorbei war.

Manchmal vergleiche ich den Vorgang der Geburt mit der Passion Jesu Christi. Das ist nur ein Vergleich – denn selbstverständlich kann keine irdische Tat oder Erfahrung mit dem Erlösungstod und der Auferstehung Christi gleichgestellt werden. Aber was meine ich mit dem Vergleich?

Während der ganzen Schwangerschaft schwebt mir jeweils die Geburt vor den Augen. Die Schmerzen, die Ängste, die extreme Erfahrung. Wenn dann die Wehen beginnen, bin ich wie Christus im Ölgarten:

Jesus schwitzt Blut aus Angst vor dem, was ihm bevorsteht, denn er weiss, dass er furchtbare Qualen bis zum Tode durchstehen muss. Er bittet seinen Vater im Himmel, diesen "Kelch" an ihm vorbei ziehen zu lassen. Aber er sagt auch: "Dein Wille, nicht mein Wille geschehe". Er lässt sich nicht von der menschlichen Schwachheit überwältigen. Er nimmt das furchtbare Los an.

Auch ich habe Angst – Angst vor den Schmerzen, welche zunehmen. Doch ich weiss, es gibt kein Ausweichen. Kein Zurück. Ich muss da hindurch. Ich muss den Kelch austrinken. Je mehr ich mich darauf einlasse – auf den Kelch –, desto einfacher ist es auch, die Geburtswehen willkommen zu heissen. Ich verschliesse mich nicht, sondern sage innerlich "Ja".

Die Schmerzen nehmen zu. Sie werden enorm stark. Menschlich fast nicht mehr auszuhalten. Sie steigern in der Intensität, aber auch dadurch, dass die Intervalle kürzer werden. Gegen Schluss kann ich mich kaum noch der Schmerzensäusserung enthalten. Die letzte Wehe geht nicht ohne einen Schmerzensschrei.

Jesus stirbt am Kreuz. Noch kurz vor dem Ausatmen des Geistes schreit er zum Himmel: "Abba, Vater, warum hast du mich verlassen?".

Aber statt den Tod, trifft die Geburt ein. Das Leben und die tiefe Freude. Agonie, Schmerz und Leid sind vorüber. Die Freude über das neue Kind wischt alles Leid hinweg, wie ein Schleier umhüllt mich reines Glück.

Auch bei Jesus hat nicht der Tod das letzte Wort: Am dritten Tage steht er von den Toten auf. Er lebt wahrhaftig und bezeugt mit Leib und Seele, dass das Leben nach dem irdischen Tod weitergeht. Es gibt ein Leben danach – dieses ist im Himmel erfüllt von der reinen Freude, vom reinen Glück.

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