Direkt zum Hauptbereich

Wie ich katholisch geworden bin

Wann hat es angefangen? So genau kann ich es nicht sagen ... Schliesslich ist das Werk des Heiligen Geistes nicht immer auf Anhieb sichtbar, da er „weht, wo er will“ (Joh 3,8).

Aber damit ich trotzdem irgendwo anfange, gehe ich zurück in die Zeit etwa zwei Jahre vor unserer Hochzeit.

Wir waren damals beide fern von der Kirche. Mein zukünftiger Mann, Jan, war zwar katholisch geboren, hatte aber einen Lebensstil, der sich mit dem Glauben unvereinbar war. In der Zeit nachdem wir uns kennengelernt hatten, begann er sich, durch Gottes Gnade, zu bekehren.

Ich glaubte seit frühster Kindheit an Gott und betete auch gelegentlich. Ich gehörte zur reformierten Kirche aber besuchte höchstens zu Weihnachten den Gottesdienst. Meine Eltern waren geschieden, ich war das jüngste von fünf Kindern und wuchs grösstenteils ohne Vater auf.

Ich besuchte zehn Jahre lang eine Rudolf Steiner Schule. Das Umfeld, das mich prägte, war säkular, alternativ, reformpädagogisch und feministisch. Mein Glaube war privat und wenig genährt. Ich war mehr oder weniger ein Kind unserer Zeit, gehörte einer Jugend an, die seine „Aufklärung“ aus Bravo-Heften bezog. Wie gut hätte es uns Jugendlichen getan, die Sicht der Kirche zu erfahren und die Schönheit des Glaubens kennen zu lernen.

Ich erinnere mich nur an eine einzige Phase in meinem Leben, in der ich mit dem Gedanken experimentierte, dass Gott nicht existieren könnte. Ich war ungefähr siebzehn und kam dann auf diese Antwort: Es muss Gott geben, weil sonst der Mensch das höchste Wesen wäre. Da der Mensch aber nicht vollkommen ist, muss es etwas geben, das vollkommener ist, etwas das höher ist, als der Mensch.

Gelegentlich zog es mich in eine leere Kirche. Damals stellte ich fest, dass die Kirche eine Oase der Ruhe ist, mitten in der Stadt.

Vor unserer Heirat bereisten wir fünf Monate lang Südostasien. In dieser Zeit stellte mir Jan zum ersten Mal einen Heiratsantrag. Ich freute mich darüber, obwohl ich es für unsere Zeit aussergewöhnlich fand. Er hatte besondere Heiratsideen. Zuerst wollte er, dass wir in Hongkong heirateten. Das wäre aber nicht möglich, ohne die Erlaubnis der Eltern, da ich erst 19 war und es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, sie darum zu bitten. Ausserdem hätte die Hochzeit ohne Gäste stattgefunden. Weitere Ideen waren in einem Luftballon oder in einem Flugzeug zu heiraten. Unterdessen wurde bei mir der Wunsch immer stärker, eine „richtige“ Hochzeit zu feiern, d. h. in einer Kirche mit Hochzeitskleid, Einladungen und allem Drum und Dran.

In den Jahren 1994 und 1995 interessierte sich Jan sehr für Astrologie. Ich war auch davon eingenommen, und wir waren auch sonst von esoterischen Dingen angetan. Man sagt, wo der Glaube fehlt, kommt der Aberglaube zur Hintertüre herein. Das war auch in unserem Fall so. Aber ich begann auch die Gefahr zu wittern und befürchtete, Jan könnte den Sternen oder der Numerologie mehr vertrauen als Gott.

Einmal fragte ich Jan: glaubst du, dass Gott über allem steht? Und als er meine Frage bejahte, war ich beruhigt. Als er aber einen astrologischen Kongress gründen wollte bremste ich ihn. Für mich ging das alles zu weit und ich sah immer weniger Sinn darin.

Ich hatte zuhause noch eine Bibel, die ich vermutlich zur Konfirmation erhalten hatte. Nach unserer Asienreise begann ich darin zu lesen und Jan vorzulesen. Die Lektüre der Bibel packte ihn so sehr, dass er alleine weiterlas und nicht mehr aufhörte, bis er die ganze Bibel fertig hatte.

Als Nächstes überlegten wir uns, wie wir den christlichen Glauben konkret in die Praxis umsetzen sollten und begannen sonntags zur Kirche zu gehen. Wir gingen nicht in eine einzige Kirche, sondern abwechselnd mal in eine katholische und mal in eine protestantische.

Ein paar Monate vor der Hochzeit begannen wir auch zu fasten und entschieden uns die letzten Monate bis zur Hochzeit enthaltsam zu leben.

Im Jahre 1996 läuteten die Hochzeitsglocken. Wir heirateten „ökumenisch“, d.h. in einer protestantischen Kirche mit einem katholischen und einem reformierten Pfarrer. Der katholische Priester leitete die Trauung. Ich wurde davor vom reformierten Pfarrer getauft. Seit Kindheit hatte ich zwar eine Patin gehabt, aber meine Eltern unterliessen es, mich als Kind taufen zu lassen. Da ich noch einen Paten brauchte, schlug der reformierte Pfarrer vor, mein Bräutigam könne diese Rolle übernehmen - so wurde Jan mein Pate.

Während der Trauung sah ich ein deutliches, inneres Bild, ähnlich einer Vision: Jesus Christus stand im Kirchengang – er war gross und trug ein langes weisses Kleid und segnete uns.

Interessanterweise schrieb ein Bekannter in unser Hochzeits-Gästebuch: „Man spürte, dass Jesus anwesend war“.

Rückblickend kann ich sagen, dass es zur Vorsehung Gottes gehörte, dass die Trauung katholisch war und Jan mein Pate wurde. Unsere Ehe stand unter einem katholischen Vorzeichen und Jan erwies sich später als mein Vorreiter im Glauben.

Als unsere erste Tochter 1997 zur Welt kam, mussten wir uns bei der Gemeindeverwaltung für die Konfession unserer Tochter entscheiden. Bisher neigte ich dazu, statt einer Konfession, „christlich“ zu schreiben, da ich der Trennung der Kirchen entgegenwirken wollte. Nun wählte ich „katholisch“. Ich sehe das heute wieder als eine Vorsehung Gottes. Damals hatte ich nicht vor, zu konvertieren. Ebenso wenig bei der Hochzeit – dazu war ich wohl noch zu stolz gewesen – aber ich wollte dennoch unser Kind dem herkömmlichen Glauben meines Mannes unterordnen. Vielleicht hatte ich eine Ahnung, dass der katholische Glaube im Vergleich zum Protestantismus vollständiger ist.

Mit unserem ersten Baby gingen wir einige Monate regelmässig in eine Freikirche. Uns gefiel dort die familiäre Stimmung, die klaren Bekenntnisse waren eindrücklich, und es war rührend, wie sich die Mitglieder dieser Gemeinschaft um uns kümmerten. Aber irgendetwas stimmte nicht. Mir war das Ganze zu einseitig. Der Leiter kam mir vor wie ein Guru, dem sich die anderen, ohne viel zu denken, unterwarfen, und jeder der ausserhalb war, war „verloren“.

Eines Abends las ich in einem Buch kritische Sachen über Freikirchen. Das verstärkte bei mir den Entschluss, sich von dieser Gruppe zu lösen. An dem gleichen Abend nahm Jan an einem Treffen in der Freikirche teil. Kurzentschlossen ging ich mit unserem Baby zu ihm, um ihn von dort zum letzten Mal abzuholen. Ich erzählte ihm, dass ich nun überzeugt sei, dass wir uns von dieser Gruppe lösen sollten, was wir auch taten. Aber unsere Suche ging weiter ...

Auf dieser Suche näherte sich mein Mann immer mehr seiner ursprünglichen Konfession, dem katholischen Glauben. Irgendwann begann er über Erscheinungen zu lesen. Angefangen mit den Muttergotteserscheinungen in Fatima. Das Buch entdeckte er bei meiner Mutter im Regal. Ein Buch, das von übernatürlichen Phänomenen handelte.

Nachdem er Fatima entdeckt hatte, kam Medjugorje an die Reihe. Als wir uns einmal in Polen aufhielten, schaute er ein Video über Medjugorje, und war sofort hin und weg. Durch dieses Video angeregt, begann er den Rosenkranz zu beten. Für mich, als reformiert aufgewachsene Christin, war dies befremdlich.

Mit dem Video konnte ich nichts anfangen. Ich fand es irgendwie unheimlich zu sehen, wie die Seherkinder auf etwas schauten, dass keiner sah, ausser sie. Ich schob das Thema von mir weg. Erst Jahre später hat mich das Thema ebenso gepackt.

Wir gingen weiterhin regelmässig zur Kirche – es folgte die Geburt unserer zweiten Tochter. Mit der Zeit besuchten wir eigentlich nur noch die katholische Messe, wobei ich auch die heilige Kommunion empfing. Naiv, wie wir damals waren, wussten wir nicht, dass ich als Protestantin keine Kommunion empfangen durfte, da die Reformierten den Glauben an die Realpräsenz Jesu Christi in der Hostie ablehnen.

In dieser Zeit wurde mein Mann immer mehr katholisch und das wurde für mich immer schwieriger, denn ich sah mich gezwungen, mich mit dem katholischen Glauben ernsthaft auseinanderzusetzen. Aus der Distanz ist es einfach, eine andere Konfession zu akzeptieren und sich tolerant zu geben. Aber wenn dein Nächster tief darin steckt, kannst du nicht auf der Oberfläche bleiben.

Mein Mann nahm „typisch katholische“ Dinge, wie den Papst, den Rosenkranz, die Heilgenverehrungen und die Beichte sehr ernst und nährte sich von Charismen innerhalb der katholischen Kirche (Barmherzigkeit der Schwester Faustyna, die wunderbare Medaille, Fatima, Medjugorje, die eucharistische Anbetung etc.), die dem Glauben Tiefe gaben. Er stand einer seichten Kirche kritisch gegenüber, die geneigt ist, durch den Zeitgeist angesteckt, alles katholische abzuschaffen, und dabei die eigene Identität und Anziehungskraft zu verlieren. Trotzdem spürte ich Widerstand in mir, auch wenn ich es gar nicht wollte. In war von Vorurteilen gegenüber der katholischen Kirche geprägt, die sehr tief in mir verankert waren.

Ich glaube, dass viele Protestanten diese typischen Vorurteile (gegen Papst, Marienverehrung, Eucharistie usw.) in sich herumtragen. Diese Vorurteile reichen Jahrhunderte zurück. Man ist sich dessen nicht bewusst und selbst wenn sie einem bewusst werden, ist es schwierig, sie loszulassen.

Es fiel mir schwer, bei diversen katholischen Praktiken einfach so mitmachen, und manchmal hatte ich Angst, dass ich meinen eigenen Glauben verrate. Gleichzeitig wollte ich immer mehr herausfinden, wo die Wahrheit liegt. Einmal fragte ich einen reformierten Pfarrer in einem Brief, ob es richtig sei, zu Maria zu beten, weil ich Skrupel hatte, dass mein Mann marianische Gebete in die Familie einführte. Die Antwort fiel nicht so eindeutig aus, so musste ich mich alleine weiter auf die Suche nach der Wahrheit machen.

Ich fühlte mich wie im Fegefeuer. Entweder mein Mann hatte Recht, und ich sollte seinen katholischen Glauben übernehmen, oder er war im Irrtum, und ich sollte ihn heraushelfen. Was war richtig? Hatte die Lehre der katholischen Kirche Recht – oder war sie im Irrtum? Heute weiss ich, dass die katholische Kirche zu allen Fragen des Lebens fundierte und richtige Antworten hat. Doch zu dieser Kenntnis musste ich über einen schmalen, steinigen, aber gleichzeitig auch wunderschönen Weg gelangen.

Ich las immer mehr katholische Literatur, und näherte mich dadurch dem katholischen Glauben. Vor allem faszinierte mich in dieser Zeit Mutter Teresa, die weltberühmte katholische Schwester, die den Ärmsten der Armen half, und eine eigene Kongregation der Nächstenliebe gegründet hat. Ich las viele Bücher über sie. Bekannt war sie mir schon früher, aber nicht aus der katholischen Perspektive. Die Auseinandersetzung mit ihrer Person hat mich dann auch einige Schritte näher zur katholischen Kirche gebracht.

Als ich einmal die Gebete des Rosenkranzes auf einer Broschüre las, stellte ich erleichtert fest, dass es gar nicht so sehr um Maria geht, sondern, um eine Hinführung zu Jesus. Im Rosenkranz sind traditionelle Gebete aus der Bibel enthalten, wie z. B. das Vater Unser. Selbst die sich im Rosenkranz wiederholende Gebetsformel „Gegrüsset seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen ...“ stammt aus der Bibel. Maria wird in der katholischen Kirche nicht angebetet, sondern es wird um ihre Fürsprache gebeten. Fortsetzung hier!

(letzte Überarbeitung: 17.2.2018)

Kommentare

Most viewed

Bist du ein Mitläufer oder nicht?

Betrachte für einige Sekunden dieses Bild. Wo siehst du dich? In der Masse, die den Arm ausstreckt oder bei dem Einzelnen, der die Arme verschränkt?

Bedenke, dass dieser Mann sein Leben aufs Spiel setzt, weil er einem totalitären Regime, einer gefährlichen Ideologie die Stirn bietet. Wärst du bereit, dein Leben für die Wahrheit zu riskieren?
Heute wirst du nicht am Leib verfolgt, wenn du in der Öffentlichkeit eine andere Meinung vertrittst. Du wirst weder eingesperrt noch ermordet. Nichtsdestotrotz findet eine Verfolgung statt.

Jemand, der sich offen zum christlichen Glauben bekennt, riskiert verspottet und verachtet zu werden.

Er riskiert seine Freunde und sein Ansehen, mitunter sogar seine Stelle zu verlieren.

Nationalsozialisten verwendeten Symbole, wie das Hakenkreuz oder den Hitler-Gruss zusammen mit der Grussformel  „Heil Hitler“, um die Massen zu manipulieren.

Immer wieder verwenden Vertreter von gefährlichen Ideologien scheinbar harmlose Symbole, um ihre wahren Absichten dahin…

Die katholische Kirche ist biblisch, Teil 1

Immer wieder höre ich von Menschen, die der Kirche oder der Bibel oder beidem fernstehen, dass das, was die katholische Kirche unterrichtet (oder ein Teil davon), nicht biblisch sei. Gelegentlich hört man den Ausspruch sola scriptura; damit wollen bibeltreue Christen sagen, dass allein die Bibel zähle.
Wahrscheinlich überlegen sie sich nicht, dass sie im Widerspruch zu ihrer eigenen Aussage stehen. Denn die Bibel ist eine Sammlung von Schriften, die von der Kirche im vierten Jahrhundert zusammengestellt wurde. Damals gab es nur eine christliche Kirche: die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Das ist die gleiche katholische Kirche, die bis in die Gegenwart hinein reicht. Es gab damals noch keine protestantische oder reformierte Kirche; nicht einmal hatte die Trennung der Ost- und Westkirche stattgefunden. Die Reformation sowie die Entstehung unzähliger protestantischen Abspaltungen waren noch weit entfernt.
Bibel und Kirche bilden eine Einheit Am ökumenischen (hierbei h…

Existiert die Hölle?

Hätte mir jemand vor 25 Jahren diese Frage gestellt, hätte ich höchstwahrscheinlich mit einem müden Lächeln geantwortet und die Meinung der Allgemeinheit geteilt. Ohne, dass ich eine genaue Antwort hätte liefern können, hätte ich betont, dass die Hölle eine mittelalterliche Vorstellung sei. Ausserdem hätte ich kopfschüttelnd erwähnt, dass früher Kindern und Erwachsenen mit der Hölle Angst eingejagt wurde.

Beginnt man sich als Neuling mit den biblischen Schriften zu befassen, begegnet man Phrasen, die irgendwie doch auf die Existenz einer Hölle zumindest hinweisen könnten. Dann kommt der Reflex, den man auch bei „modernen“ Theologen feststellen kann: Natürlich ist die Hölle nur symbolisch gemeint. Denn wie könnte ein liebender Gott so etwas Grausames zulassen? Nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Zweifelsohne kann man die Bibel nicht an jeder Stelle wörtlich nehmen. Doch es ist wie bei Kindern: Wenn ich ihnen Märchen erzähle, brauche ich sie nicht zuerst zu warnen…