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Existiert die Hölle?

Hätte mir jemand vor 25 Jahren diese Frage gestellt, hätte ich höchstwahrscheinlich mit einem müden Lächeln geantwortet und die Meinung der Allgemeinheit geteilt. Ohne, dass ich eine genaue Antwort hätte liefern können, hätte ich betont, dass die Hölle eine mittelalterliche Vorstellung sei. Ausserdem hätte ich kopfschüttelnd erwähnt, dass früher Kindern und Erwachsenen mit der Hölle Angst eingejagt wurde.

Beginnt man sich als Neuling mit den biblischen Schriften zu befassen, begegnet man Phrasen, die irgendwie doch auf die Existenz einer Hölle zumindest hinweisen könnten. Dann kommt der Reflex, den man auch bei „modernen“ Theologen feststellen kann: Natürlich ist die Hölle nur symbolisch gemeint. Denn wie könnte ein liebender Gott so etwas Grausames zulassen? Nach dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Zweifelsohne kann man die Bibel nicht an jeder Stelle wörtlich nehmen. Doch es ist wie bei Kindern: Wenn ich ihnen Märchen erzähle, brauche ich sie nicht zuerst zu warnen: „Achtung, jetzt kommt ein Märchen, nicht alles ernst nehmen“. Sie wissen intuitiv, dass Märchen symbolisch und nicht wörtlich zu nehmen sind. Aber sie erkennen auch, was Fakten sind, ohne dass ich zuerst ankündigen muss: „Ich rede jetzt von der Wirklichkeit …“. Ähnlich ist es mit der Bibel. Jesus erzählt uns einiges in Gleichnissen und in Bildern. Er spricht aber auch von Fakten. Und manche Fakten sind hart. Sehr hart.

Dass die reale Existenz der Hölle zu den harten Fakten gehört, darüber ist sich die Kirche seit zweitausend Jahren im Klaren. Trotz denen, die die Existenz der Hölle mit kreativer Einfallsgabe wegdiskutieren, lautet die Lehre der katholischen Kirche, bis in die heutige Zeit: die Hölle existiert. Diese Erkenntnis bezieht sie vor allem aus den biblischen Schriften, in Form von Gleichnissen, sowohl als direkte Mahnungen; Worte, die Jesus selbst ausgesprochen hat. Im neuen Testament kommt das Wort „Hölle“ 12 Mal vor. In Beispielen, wie das Gleichnis vom reichen Mann und – vom armen Lazarus, wird auf eine Unterwelt und Qualen im Feuer hingewiesen (Lk 16,19–31).

Ausser den biblischen Hinweisen bestätigt uns Maria, die Mutter Jesu Christi, in Erscheinungen, die auch von der Kirche als glaubwürdig anerkannt sind, dass es die Hölle gibt. Den Seherkindern wurde jeweils sogar die Hölle gezeigt. Bei allen hat die Vision der Hölle einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Im Bericht „Das Geheimnis von Fatima“ beschreibt die Seherin Lucia die Vision der Hölle, die die Muttergottes ihr und den andern Sehern gezeigt hatte. Lucia bemerkte dazu: „Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlischen Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben.“

In neuerer Zeit, bei den Erscheinungen in Medjugorje, spricht Maria wiederum von der Hölle und warnt vor Satan. Die Seher Vicka und Jakov bekamen die Hölle für einen kurzen Moment zu sehen. In ihrem Buch My Heart Will Triumph schreibt die Visionärin Mirjana Soldo: „Sogar heute spricht Jakov nicht gerne über die Hölle, aber Vicka’s Beschreibung war verblüffend ähnlich mit der Beschreibung Lucias – ein Ozean von tobenden Flammen gefüllt mit Seelen und fratzenartigen Wesen.“

Auch bekamen verschiedene Heilige in Visionen oder Entrückungen einen Einblick von der Hölle. Schwester Faustyna erwähnte in ihrem Tagebuch (Tagebuch der Schwester Maria Faustyna Kowalska): „Angesichts dieser schrecklichen Pein wäre ich gestorben, wenn mich nicht die Allmacht Gottes erhalten hätte (…) Ich schreibe darüber auf Gottes Befehl, damit keine Seele sich herausreden könnte, dass es keine Hölle gibt (…) Als ich wieder zu mir kam, konnte ich mich vom Schrecken nicht erholen. Wie furchtbar leiden dort die Seelen!“ (Tagebuch 741).

Auch im Rosenkranz vernehmen wir, dass es eine Hölle gibt. Nach jedem Gesätzchen kommt das Gebet: „Oh, mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle …

Und im Credo (das Glaubensbekenntnis) beten wir: „ ... hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten ...“ Dazu heisst es im Katechismus der katholischen Kirche (KKK): Die Schrift nennt den Aufenthaltsort der Toten, zu dem Christus nach dem Tod hinabgestiegen ist, „Hölle“, „Scheo“ oder „Hades“, denn diejenigen, die sich darin aufhalten, entbehren der Anschauung Gottes.  (...) Jesus ist nicht in die Unterwelt hinabgestiegen, um die Verdammten daraus zu befreien, und auch nicht, um die Hölle, den Ort der Verdammung aufzuheben, sondern um die Gerechten zu befreien, die vor ihm gelebt hatten“ (KKK, 633).

Trotzdem ist die Frage berechtigt: Wie kann Gott so etwas zulassen?

Gott ist barmherzig. Das ist nicht nur eine Floskel, sondern etwas, das unsere Vorstellung übertrifft. Seine Barmherzigkeit ist grösser als die Sünden aller Menschen zusammen. In ihrem Tagebuch zitierte Schwester Faustyna die Worte Jesu: „Wenn die Sünder Meine Barmherzigkeit kennen würden, gingen sie nicht in so grosser Zahl verloren. Sage den Sündern, dass sie sich nicht fürchten sollen, Mir näherzukommen, sprich zu ihnen von Meiner grossen Barmherzigkeit“ und „Auch wenn die Seele wie eine verwesende Leiche wäre und eine Belebung, menschlich gesehen, ausgeschlossen und alles schon verloren würde – nicht so ist es bei Gott. Das Wunder der Barmherzigkeit Gottes belebt die Seele vollauf“ (Tagebuch 1396 und 1448).

Jetzt müssen wir verstehen, dass selbst durch die Existenz der Hölle, Gottes Barmherzigkeit zum Ausdruck kommt.

Wenn ein Mensch bis zuletzt, d.h. im Sterben, Gott ablehnt und nichts mit ihm zu tun haben will, muss seine unsterbliche Seele irgendwo hin. Denn Gott zwingt niemanden in den Himmel.

Im KKK heisst es: „In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschliessung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man ‚Hölle‘“ (KKK, IV, 1033).

Im Gegensatz zu protestantischen Lehren gibt es im katholischen Glauben auch das Fegefeuer. Das Fegefeuer ist der Reinigungsort für jene Seelen, die zwar nicht verdammt, aber auch noch nicht bereit sind, in den Himmel einzutreten. Im Himmel ist alles rein und gut. Im Himmel existiert die reine Freude – und um dahin zu gelangen, unterziehen sich die Seelen freiwillig zuerst der Reinigung. Denn keine Seele mit Makel kann vor Gott bestehen. Sein Licht, seine Liebe ist so stark, dass sie für den Menschen, der noch nicht gereinigt ist, unerträglich ist. Und doch verspüren die Seelen im Fegefeuer eine sehr starke Sehnsucht, sich mit Gott zu vereinen.

Wer aber Gott völlig ablehnt, keine Spur der Reue zeigt und nicht das kleinste Bisschen Seiner Barmherzigkeit, die Er jeder Seele anbietet, annehmen will, der muss an einen Ort, der sich die ewige Verdammnis nennt. Es gehört zu den härtesten Fakten des Glaubens, dass es von dort kein Zurück gibt. Aber die Seele, die dorthin gelangt, hat das freiwillig getan. Gott schickt niemanden in die Hölle, die Seelen wählen es selber aus.

Weiter heisst es im KKK: „Die Lehre der Kirche sagt, dass es eine Hölle gibt und dass sie ewig dauert (…) Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein [nämlich in Gott] der Mensch das Leben und das Glück finden kann für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt“ (KKK, IV, 1035).

Menschen, die selbst ihr lebenslang schwer gesündigt haben, gelangen nicht automatisch in die Hölle. Denn Gott ist und bleibt ein vergebender Gott. Jesus bietet seine Barmherzigkeit auch den schwersten Sündern an und wartet nur darauf, dass diese ihren kleinen Finger nach Ihm ausstrecken. Er wischt alle Sünden weg – auch die allerschlimmsten – wenn der Mensch Reue zeigt. Der Mensch muss zwar die Konsequenz, wie er gelebt hat, austragen – denn Vergebung heisst nicht, dass der Mensch von Gottes Gerechtigkeit verschont bleibt. Dazu ist das Fegefeuer da: Im Reinigungsort sühnen die Seelen für Schulden, die sie auf Erden noch nicht abgebüsst haben; diese Seelen sind aber gleichzeitig gerettet und werden früher oder später in die Herrlichkeit Gottes eintauchen.

Die Höllenstrafe ist die Folge der Menschen, die in der schweren Sünde verharren und Gott bis Zuletzt ablehnen. „Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen; nur eine freiwillige Abkehr von Gott (eine Todsünde), in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu. Bei der Eucharistiefeier und in den täglichen Gebeten ihrer Gläubigen erfleht die Kirche das Erbarmen Gottes, der ‚nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren‘ (2 Petr 3,9)“ (KKK, IV, 1037).

Die Existenz der Hölle soll uns nicht Angst machen. Vielmehr dürfen wir für Gottes Güte dankbar sein und über Seine Liebe staunen, weil er uns die Chance gibt, trotz unserer Sündhaftigkeit, vor der Verdammnis gerettet zu werden. Gott reicht uns seine Hand. Es liegt an uns, Seine Hilfe anzunehmen.

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