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Die katholische Kirche ist biblisch, Teil 1

Immer wieder höre ich von Menschen, die der Kirche oder der Bibel oder beidem fernstehen, dass das, was die katholische Kirche unterrichtet (oder ein Teil davon), nicht biblisch sei. Gelegentlich hört man den Ausspruch sola scriptura; damit wollen bibeltreue Christen sagen, dass allein die Bibel zähle.
Wahrscheinlich überlegen sie sich nicht, dass sie im Widerspruch zu ihrer eigenen Aussage stehen. Denn die Bibel ist eine Sammlung von Schriften, die von der Kirche im vierten Jahrhundert zusammengestellt wurde. Damals gab es nur eine christliche Kirche: die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Das ist die gleiche katholische Kirche, die bis in die Gegenwart hinein reicht. Es gab damals noch keine protestantische oder reformierte Kirche; nicht einmal hatte die Trennung der Ost- und Westkirche stattgefunden. Die Reformation sowie die Entstehung unzähliger protestantischen Abspaltungen waren noch weit entfernt.

Bibel und Kirche bilden eine Einheit

Am ökumenischen (hierbei handelt es sich nicht um den heutigen Begriff von Ökumene!) Konzil von Nicäa entschieden die Bischöfe, welche Schriften in den Kanon aufgenommen werden sollten und welche nicht. Wer also glaubt, dass die Bibel mehr Autorität hat als die Kirche, vergisst oder ist sich nicht bewusst, dass ihre Zusammensetzung erst durch die Autorität der Kirche entstanden ist. Oder anders gesagt: Wer die Autorität der Bibel anerkennt, anerkennt gleichzeitig – bewusst oder unbewusst – die Autorität der katholischen Kirche. (1546 war es dann wegen dem Protestantismus notwendig, beim Tridentinischen Konzil den Kanon der gesamten Heiligen Schrift für die katholische Kirche endgültig festzulegen.)
Die Bibel und die Kirche gehören zusammen. Sie sind untrennbar miteinander verbunden! Das hängt nicht nur von den Konzilien ab, sondern hat auch mit der Entstehung der Kirche und den Aussagen in der Bibel zu tun.
Der ehemalige Protestant Scott Hahn, der zusammen mit seiner Frau, Kimberly, das Buch Unser Weg nach Rom* geschrieben hat, erwähnt:
„… die Hauptsache ist, was die Schrift über das Wort Gottes lehrt; denn nirgendwo beschränkt sie Gottes Wort auf die Schrift allein. Vielmehr sagt uns die Bibel an vielen Stellen, dass das autoritative Wort Gottes in der Kirche zu finden ist: in ihrer Tradition (2 Thess 2,15;3,6) und in ihrer Predigt und Lehre (1 Petr 1,25; 2 Petr 1,20–21; Mt 18,17).
Aus diesem Grund denke ich, dass die Bibel nicht den protestantischen Slogan sola scriptura rechtfertigt, sondern den katholischen Grundsatz solum verbum Dei, ‚das Wort Gottes allein‘“ (Hahn, S. 86).

Gott ist Gründer der katholischen Kirche

Die katholische Kirche ist nicht irgendeine weltliche Institution. Wäre dies so, dann könnte man zu Recht ihre Autorität, mit der sie über die Wahrheit, über Gott und Mensch lehrt, unter Frage stellen. Weil sich aber die katholische Kirche auf Gott selbst als ihren Gründer berufen kann und sie ihre Lehre aus der Lehre Jesu Christi bezieht, ist ihre Autorität gerechtfertigt.
Die katholische Kirche ist der mystische Leib Jesu Christi. Die Geburt der Kirche geschah bei der Aussendung des Heiligen Geistes – einem biblischen Ereignis, das wir Pfingsten nennen. Aber nicht nur das. Jesus Christus hat zu Simon Petrus gesagt: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).
Wir hören es deutlich – Jesus sagte nicht irgendeine Kirche sondern: „meine Kirche“! Zur weiteren Bedeutung dieser Bibelstelle werde ich noch kommen.
Nur weil die Kirche von Gott stammt, weil ihre Lehren dem Willen Gottes entsprechen, nur deswegen dürfen wir ihr die volle Autorität zuschreiben.
Durch all die Jahrhunderte hindurch hat die Kirche die Einheit behalten. Im Gegensatz zu den vielen protestantischen Abspaltungen, zu denen täglich neue hinzukommen, kann sich die katholische Kirche auf Jesus als ihren Gründer berufen. Protestantische Abspaltungen berufen sich stets auf Lehren von einzelnen Menschen: Luther, Calvin, Zwingli, Commander, der englische König Heinrich VIII. usw.
Wir wissen aber, dass sich der Mensch irren kann. Und einer will es immer besser wissen. So entstehen ständig neue Abspaltungen. Jeder neuer Gründer sagt indirekt: „Ich weiss es besser als mein Vorgänger. Folgt alle mir!“.
Natürlich gibt es viele gute Christen ausserhalb der katholischen Kirche. Betrachtet man aber die Abspaltungen und Gründungen neuer protestantischer Kirchen, erkennt man, dass dies ein Ausdruck menschlicher Überheblichkeit ist.
Auf meinem Weg in die katholische Kirche habe ich entdeckt, dass es sich bei der katholischen Tradition nicht einfach nur um eine Entwicklung handelt, die über Jahrhunderte entstanden ist, sondern, dass die Wurzeln der Tradition in der Bibel zu finden sind; manchmal so eindeutig, dass es eigentlich einem erstaunt, wenn Protestanten und Evangelikale, welche die Bibel gerne wortwörtlich nehmen, das nicht erkennen. Sola scriptura wird wiederum zu einem Widerspruch: denn wer die Bibel ernst nimmt, sollte ja auch die Stellen, die die Tradition der katholischen Kirche bestätigen, ernst nehmen. Sehen wir uns einige an:

Der Papst ist Stellvertreter Christi

Beginnen wir mit dem Papst. Wer ist der Papst? Wer darf sich anmassen, Stellvertreter Christi auf Erden zu sein?
Der Papst macht sich nicht selbst zum Papst, sondern wird von den Kardinälen – begleitet mit Gebet zum Heiligen Geist – zum Papst gewählt. Wer betet und glaubt, weiss also, dass der Papst ein von Gott berufener Diener der Kirche ist. Aber wann hat das begonnen mit den Päpsten? Und was hat das mit der Bibel zu tun?
Jesus Christus selbst hat den ersten Papst, keinen geringeren als der heilige Petrus, eingesetzt: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,18–19).
Jesus wusste, dass Petrus ein Mensch mit Schwächen war. Trotzdem hat er ihm diese Autorität verliehen. Genauso ist der Papst ein Mensch mit Schwächen. Bei der Unfehlbarkeit des Papstes geht es nicht darum, dass er vollkommen sei, sondern, dass er durch die Autorität Christi die Aufgabe erhalten hat, die Kirche zu leiten, die Lehre zu hüten und auch, in Übereinstimmung mit den Bischöfen im Rahmen des christlichen Glaubens, Dogmen festlegen zu können, die dann als unfehlbar gelten.
Die Reihe der Päpste, von Petrus bis zu Franziskus, dem heutigen Papst, ist ununterbrochen geblieben. Jedem Papst wurde das Amt von seinem Vorgänger übertragen. Es war Jesus Christus selbst, der Petrus, dem ersten Papst, aufgetragen hat, sein Stellvertreter und Verwalter der Kirche hier auf Erden zu sein (vgl. Mt 16,18–19).

Die heilige Beichte von Jesus eingesetzt

Gehen wir zum nächsten Thema über. Die Beichte. Im Sakrament der Beichte erteilt der Priester dem Beichtenden eine Absolution, d. h. im Namen Jesu Christi spricht er ihn von seinen Sünden los.
Als Jesus mit seinen Jüngern versammelt war, sprach er folgende Worte: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten“ (Joh 20,22–23).
Jesus hat damit seinen Aposteln und deren Nachfolgern die Autorität gegeben, in seinem Namen Sünden zu vergeben.
Die Beichte ist keine Erfindung der Katholiken. Die Praxis der Beichte gab es schon zu biblischen Zeiten. Auch zu Johannes dem Täufer – der Stimme in der Wüste, die den Messias vorausgesagt hat – sind Menschen gepilgert und haben ihre Sünden gebeichtet: „…so trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und liessen sich im Jordan von ihm taufen“ (Mk 1,4–5).

Die heilige Eucharistie, Mittelpunkt der Liturgie

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Einsetzung der Eucharistie. In jeder heiligen Messe erhalten die Gläubigen die heilige Kommunion – das verwandelte Brot, das Brot in dem Jesus Christus ist. Wie ist das biblisch zu verstehen?
Jesus Christus hat beim letzten Abendmahl, als er mit den zwölf Aposteln versammelt war und Pascha gefeiert hat, folgendes getan: „Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lk 22,19–20).
Er sagte nicht „Das ist wie mein Leib“ sondern „Das ist mein Leib.“ und er sagte zu seinen Aposteln, sie sollen das Gleiche zu seinem Gedächtnis tun. So feiert der Priester im Namen Jesu jedes Mal während der heiligen Messe die Eucharistie, mit Brot und Wein, gemäss der beim letzten Abendmahl von Jesus eingesetzten Eucharistie. Dies ist der neue Bund in Seinem Blut.
Ferner sagte Jesus: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Und: „Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank“ (Joh 6,53–55).
Die Verwandlung des Brotes in den Leib Christi und des Weins in das Blut Christi ist ein Wunder, das bei jeder heiligen Messe geschieht. Das ist nicht nur symbolisch zu verstehen, sondern wortwörtlich. Darum ist es wichtig, die Eucharistie mit tiefer Andacht zu empfangen. Wer die Eucharistie empfängt, empfängt Jesus (vgl. Joh 6,47;54)!
Im Katechismus der katholischen Kirche heisst es: „Durch die Konsekration vollzieht sich die Wandlung [Transsubstantiation] von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Unter den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein ist Christus selbst als Lebendiger und Verherrlichter wirklich tatsächlich und substantiell gegenwärtig mit seinem Leib seinem Blut seiner Seele und seiner göttlichen Natur“ (KKK 1413).
Unser Erlöser hat beim Letzten Abendmahl in der Nacht, da er verraten wurde, das eucharistische Opfer seines Leibes und Blutes eingesetzt, damit dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauere und er so der Kirche, der geliebten Braut, das Gedächtnis seines Todes und seiner Auferstehung anvertraue: als Sakrament des Erbarmens und Zeichen der Einheit, als Band der Liebe und österliches Mahl, in dem Christus genossen, das Herz mit Gnade erfüllt und uns das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird“ (SC 47, KKK 1323).
Manchem Heiligen wurde die Gnade geschenkt, beim Empfang der Kommunion die Anwesenheit Jesu Christi wahrhaftig zu erfahren. Auch geschehen weltweit eucharistische Wunder, bei denen die Wahrheit über die Verwandlung in Jesu Leib und Blut unterstrichen wird.
Hören wir uns an, was der damalige Protestant Scott Hahn erfuhr, als er vor seiner Konvertierung zum ersten Mal eine Messe besuchte: „Ich sah und hörte, wie die Lesungen, Gebete und Antworten – so tief in der Schrift verwurzelt – die Bibel lebendig werden liessen. Fast hätte ich die Messe unterbrochen und gesagt: ‚Moment mal. Diese Stelle ist von Jesaja; dieses Lied ist aus den Psalmen. Unglaublich, in dem Gebet steckt noch ein Prophetenwort.‘ Ich entdeckte so viele Elemente aus der alten jüdischen Liturgie wieder, die ich ja intensiv studiert hatte.
Plötzlich wurde mir bewusst, dass die Bibel genau hierher gehörte. Dies war der richtige Rahmen, in dem dieses kostbare Familienerbstück gelesen, verkündet und erklärt werden sollte. Dann folgte die Feier der Eucharistie, in der all meine Erkenntnisse über den Bund zusammenkamen. Am liebsten hätte ich alles gestoppt und geschrieen: ‚Entschuldigt bitte, aber soll ich euch von der Schrift her erklären, was hier geschieht? Das ist ja phantastisch!‘ Stattdessen sass ich da, mit übernatürlichem Hunger schmachtend nach dem Brot des Lebens.
Nachdem der Priester die Wandlungsworte gesprochen hatte, hielt er die Hostie hoch. Ich hatte das Gefühl, als wäre der letzte Tropfen von Zweifel an mir abgeflossen. Aus ganzem Herzen flüsterte ich: ‚Mein Herr und mein Gott. Du bist es wirklich. Und wenn du es bist, dann möchte ich volle Gemeinschaft mit dir haben. Ich will nichts von dir zurückhalten‘“ (Hahn, S. 100f).
Hier geht's weiter zu Teil 2!
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*Das Ehepaar Scott und Kimberly Hahn haben zahlreiche Bibelstellen in Bezug auf die katholische Kirche in ihrem Buch Unser Weg nach Rom erarbeitet. Scott und Kimberly wuchsen in Amerika auf und waren überzeugte Presbyterianer, die als junge Erwachsene den „verirrten Katholiken“ auf den „rechten Weg“ helfen wollten. Je mehr sich Scott mit der Lehre der katholischen Kirche auseinandersetzte, um zu beweisen, dass sie im Irrtum war, um so mehr erkannte er, dass die katholische Kirche doch recht hatte. Währenddessen sah seine Frau entsetzt zu, wie sich ihr Mann immer mehr der katholischen Kirche zuwandte und ihr geistig entfernte. Nach einem langen inneren Kampf, trat auch sie in die katholische Kirche ein.

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